Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Ausbildung für die Ausbilder 26.06.2016

Wörth am Rhein - Am 09.04.2016 fand im Forschungszentrum für Nutzfahrzeuge der Daimler AG in Wörth am Rhein ein Pilot-Lehrgang zur Unfallrettung aus LKWs der Daimler AG statt, zu der deutschlandweit Feuerwehrdienstleistende gekommen waren.

Unter den Anweisungen des Teams der Nutzfahrzeug-Unfallanalyse konnten die insgesamt 24 Teilnehmer vier Nullserien-Actros fachmännisch "zerlegen" und tiefe Einblicke in den Aufbau und die Details der LKW-Technik gewinnen. Aufgrund der engen Kontakte des THL-Ausbilderkreises der Dienstbezirke 1 und 2 des Landkreises Nürnberger Land im Bereich der Unfallrettung aus PKW mit der Daimler AG war es möglich mit vier Teilnehmern an der Ausbildung teilzunehmen. Für den Dienstbezirk 1 nahmen von der Feuerwehr Reichenschwand Kommandant Bernd Bischof und THL-Ausbilder Stefan Wagner teil. Aus dem Dienstbezirk 2 machten sich der stellvertretende Kommandant der FF Schnaittach, Andreas Kühnl, sowie der THL-Ausbildungsleiter des DB2, Michael Brunner von der FF Schwaig auf den Weg nach Wörth.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Teilnehmer von den Verantwortlichen der Daimler AG begrüßt und in Gruppen eingeteilt, wodurch bei der praktischen Ausbildung verschiedene Wehren miteinander übten und alleine dadurch ein Erfahrungsaustausch stattfinden konnte. Im Anschluss erfolgte der Theorieteil. Es wurde auf die Konstruktion von LKW-Führerhäusern, sowie auf besondere Merkmale von LKWs eingegangen. Videos von Crashtests zeigten den Anwesend deutlich auf, welche Kräfte auf den LKW einwirken, wie sich diese fortpflanzen, ihre Wirkung entfalten und mit welchen Konsequenzen daraus die Einsatzkräfte zu rechnen haben.

Nach einer kurzen Pause ging es dann in den Bereich der Praxis. Durch einen Ausbilder des Teams der Unfallanalyse wurden zuerst die Besonderheiten an LKWs am praktischen Objekt aufgezeigt. Hierbei wurde u.a. auf die verschiedenen Möglichkeit des Abspannens des Führerhauses am Fahrwerk, die bei Mercedes im LKW-Bereich zwischenzeitlich eingeführten Schnittkennzeichnungen, die Batteriestandorte und die Treibstofftankkonstellationen eingegangen. Danach wurde durch eine Gruppe unter Moderation des Ausbilders der Rettungsweg in Einzelschritten vorgeführt um diesen später im praktischen Teil selbst anwenden zu können.

Nach der Mittagspause wurde es dann ernst. Während zwei Teams sich an den LKWs zu schaffen machten, hatte eine Gruppe die Gelegenheit mit einem Daimler-Mitarbeiter an verschiedenen Modellen mit verschiedenen Ausstattungen Details zu erfragen. Hierbei ging man u.a. auf die verschiedenen Führerhausgrößen ein, welche u.a. einen Einfluss auf die Gestaltung und die Platzverhältnisse in der Kabine haben. Auch Details wie Sitzverstellung, Fahrwerkstypen, die Konstruktion unter dem Führerhaus inkl. der Aufnahmepunkte und die Stillsetzung des Motors mit einem Co2-Feuerlöscher wurden besprochen bzw. angewendet.

In der Praxis wurde dann das Erlernte mit dem Bekannten umgesetzt. Hierbei konnten auch verschiedene Dinge ausprobiert werden, was so den Feuerwehren sonst nicht möglich ist. Aufgrund verschiedener Faktoren stehen den Wehren in der Regel keine modernen LKWs zum Üben bereit. Aufgrund dieser Tatsache besteht die Praxis der Wehren aus dem Realeinsatz, wo es jedoch schwierig ist verschiedene Methoden zu probieren, da nicht jeder Versuch von Erfolg gekrönt ist und aufgrund dem Augenmerk auf die zu rettenden Person auf altbewährte Techniken zurückgegriffen werden muss. Auch viele Details und Probleme aufgrund der Dimension der Führerhäuser zeigten sich hier deutlich. So befinden sich die Türscharniere in einer, für die Einsatzkräfte, gefährlichen Höhe. Beim Spreizen der Türe können diese beim Abreisen zu umherfliegenden Geschossen werden. Auch zwingend erforderlich ist der Einsatz von zwei Rettungsplattformen, da sonst permanent die Plattform versetzt werden muss. Aufgrund der Größe und dem Gewicht der Türe muss diese bei der Entfernung von der anderen Seite gesichert werden. Eine solche Türe kann bis zu 90 kg wiegen. Ebenfalls enorm wichtig ist das Abspannen des Führerhauses am Fahrwerk. Die Auflagepunkte des Führerhauses können beim Aufprall abscheren was in diesem Fall durch das Verschieben des Führerhauses auch als Crash-Zone dient. Problem hierbei ist jedoch, dass das Führerhaus nur noch lose auf dem Fahrgestell aufsitzt und bei den Rettungsarbeiten abstürzen könnte.

Alle Teilnehmer waren sich am Ende der Veranstaltung einig, dass diese durch die Daimler AG ermöglichte Übungsmöglichkeit enorm wichtig war und dadurch das Wissen im Bereich der Unfallrettung massiv erweitert werden konnte. Zu hoffen bleibt, dass diese Veranstaltung wieder stattfindet, was jedoch noch nicht gesichert ist.

Bisher wurde der Part der LKW-Rettung im jährlich stattfindenden dienstbezirksübergreifenden Lehrgang zur technisch-medizinischen Rettung in Reichenschwand gelehrt, an dem alle Wehren mit Rettungssätzen aus den Dienstbezirken 1 und 2 Teilnehmer entsenden können. Aufgrund der gewonnen Inhalte bei diesem Lehrgang in Wörth, den in den Vergangenheit massiven Unfällen mit LKWs im Einsatzgebiet der Feuerwehren des Landkreises Nürnberger Land und dem immer weiter wachsenden PKW-Part wird das Thema der LKW-Rettung bei den zukünftigen Lehrgängen separat behandelt und kann so detailreicher und intensiver geschult werden.

Von der Veranstaltung findet sich auch ein Bericht auf der Homepage der Daimler AG zu finden unter:

https://www.daimler.com/nachhaltigkeit/gesellschaft/verkehrssicherheit/feuerwehr-bei-uebungseinsaetzen.html

Zu einer weiteren Fortbildung waren der THL-Ausbildungsleiter des Dienstbezirkes 1, Markus Horwath mit dem THL-Ausbilder-Team zu einem großen bayerischen Autohersteller gereist um dort im Werk an mehreren modernen Fahrzeugen der nächsten Fahrzeuggeneration übern zu können. Hierbei wurden an den teilweise noch komplett getarnten Fahrzeugen, die erst in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen, auf welche Herausforderungen die Feuerwehren in Zukunft bei der Personenrettung aus Unfallfahrzeugen stoßen werden. Erste Problematiken hatten sich hier bereits beim letzten Lehrgang in Reichenschwand gezeigt. Diese Probleme verdichteten sich nun beim Arbeiten an diesen Übungsfahrzeugen. Zwar wurde die bisher gelehrte Vorgehensweise bestätigt und funktionierte auch bei diesen Fahrzeugen, jedoch muss aufgrund der enorm hohen Druckkräfte mit dem Zylinder an dem Cockpitquerträger, beim Lehrgang in Reichenschwand lag die Kraft bei 120 kN, eine Druckplatte benutzt werden, um die Kraft einleiten zu können ohne mit dem Zylinder die Verstrebung zu durchbohren. In Ingolstadt kam die durch Markus Horwath konstruierte neuartige Druckplatte erstmals zum Einsatz und konnte erfolgreich angewendet werden. Aufgrund der getarnten Übungsfahrzeuge herrschte während der gesamten Übung Fotografierverbot.

 

Bericht: Ausbilderteam THL
Fotos:
Daimler AG

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