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Feuerwehr-Oscar geht ins Nürnberger Land 29.01.2016

ULM – Roter Teppich, Blitzlichtgewitter und zahllose Interviews vor Radio- und Fernsehmikrofonen – eine Welt, die auf den ersten Blick rein gar nichts mit dem Ehrenamt in einer Freiwilligen Feuerwehr zu tun hat. Anders am vergangenen Freitag in Ulm: hier wurde durch die Firma Magirus bereits zum vierten Mal das beste Feuerwehrteam aus ganz Deutschland gekürt. Unter den zehn Finalisten stand mit den Feuerwehren aus Ottensoos, Rüblanden, Speikern, Neunkirchen, Reichenschwand und Lauf, die sich gemeinsam mit einer ungewöhnlichen Unfallrettung um den Conrad-Dietrich-Magirus-Preis beworben hatten, auch ein Verbund aus dem Landkreis Nürnberger Land. Der Gesamtsieg war für die mittelfränkischen Finalisten am Ende dann eine faustdicke Überraschung.

Angeführt von Kreisbrandinspektor Fritz Holfelder und den Kommandanten aller sechs beteiligten Feuerwehren reiste am Freitagmorgen eine 38-köpfige Delegation aus dem Landkreis nach Ulm und konnte zunächst einen Einblick in die Produktion von Löschfahrzeugen und Drehleitern des Fahrzeugherstellers Magirus gewinnen. Am Abend folgte dann die festliche Gala mit über 600 geladenen Gästen im Congress-Center-Ulm samt Übernachtung im benachbarten Maritim-Hotel, zu der alle zehn Finalistenteams eingeladen waren. Hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, dem Feuerwehrwesen und vieler weiterer Hilfsorganisationen sorgten für einen würdigen Rahmen, der einer echten Oscar-Verleihung ziemlich nahe kam. Nur die Stars waren an diesem Abend die Feuerwehren, die sich aus dem ganzen Bundesgebiet um den nationalen Award beworben hatten.

Brandbekämpfer aus der ganzen Welt eiferten in einer internationaler Kategorie ebenfalls um den Titel des Feuerwehrteams des Jahres. Delegationen aus Istanbul in der Türkei, dem Iran, Österreich und Rio de Janeiro in Brasilien waren eine großartige Bereicherung für die Galaveranstaltung. Unweigerlich die die Stars des Abends waren zwei Vertreter der „White Helmets“, einer Katastrophenschutzorganisation, die sich im Bürgerkriegsland Syrien um die Rettung von verschütteten nach Bombenangriffen verdient macht und die in einer beeindruckenden Videosequenz von der Rettung eines zwei Wochen alten Säuglings aus einem völlig zertrümmerten Wohnhaus (https://www.youtube.com/watch?v=6h0VDhENotI ) zahlreiche Gäste zu Tränen rührte und mit minutenlangen Standing Ovations gewürdigt wurde. Ihnen oblag es auch, die drei Siegerteams in den Kategorien „Soziales Engagement“, „Feuerwehrteam international“ und „Feuerwehrteam national“ mit der begehrten Trophäe, einem goldenen Feuerwehrmann auszuzeichnen. Als Dank für ihr außerordentliches Engagement, enthüllte Magirus einen gebrauchte Drehleiter, die der Konzern den „White Helmets“ für ihren großartigen, ehrenamtlichen Dienst in Syrien überreichte.

Zunächst zogen in allen drei Kategorien die drei Teams, die im Rahmen eines Online-Votings die meisten Stimmen erhalten hatten, in den Endausscheid ein. Sie beantworteten Moderator Chris Brow Fragen zu ihrem Einsatz oder Engagement und nahmen für ihre Top-3-Platzierung den silbernen Oscar in Empfang. Großer Jubel brandete auf, als das Team aus dem Nürnberger Land auf die Bühne gerufen wurde und ihr ein Platz unter den letzten drei nationalen Bewerbern nicht mehr zu nehmen war. Getreu der bayerischen Imagekampagne „Frauen zur Feuerwehr“ oblag es den mitgereisten Mädels, die Trophäe aus den Händen des syrischen Einsatzleiters entgegenzunehmen.

Dann wurde es richtig spannend, es wurden die Gesamtsieger der drei Kategorien bekannt gegeben. Für ihr soziales Engagement erhielt die Freiwillige Feuerwehr Arnsberg aus Nordrhein-Westfalen den goldenen Oscar für den 1. Platz. Die Kameraden hatten sich in der Brandschutzerziehung behinderter Menschen verdient gemacht. International setzte sich das brasilianische Team durch, das einen spektakulären Brand mitten im Karneval in Rio de Janeiro zu löschen hatte. Als letzter Punkt folgte die Verkündung des Siegers aus dem nationaler Wettstreit. Das Team aus dem Nürnberger Land, das mit der Top-3-Platzierung alle seine Wünsche erfüllt sah und einen anderen Favoriten für den Sieg ausgemacht hatte, lehnte sich entspannt zurück und wurde dann zu seiner vollkommenen Überraschung als bestes Feuerwehrteam Deutschlands auf die Bühne gebeten, der Jubel kannte keine Grenzen.

Mit Frankenfahne feierten die 38 Mitgereisten ausgelassen auf der Bühne. Laufs Feuerwehrpressestimme, Daniel Bösch, gebührten die abschließenden Wort auf der Bühne, bevor der offizielle Teil des Abend mit einer bunten Illumination aus Tanz, Musik und Lichtshow zu Ende ging. „Großartig, was wir mit sechs Freiwilligen Feuerwehren gemeinsam erreichen konnten!“ Das erfreulich-erfolgreiche Ergebnis führte er auf drei wesentliche Faktoren zurück: „eine sehr gute Ausbildung im Vorfeld, hervorragendes Teamwork im Einsatz und eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit im Nachgang des außergewöhnlichen Verkehrsunfalls vom 30. Mai 2015.

Der Abend war damit noch lange nicht zu Ende. Es folgte ein zweieinhalbstündiger Foto- und Interviewmarathon von Presseagenturen, Radio- und Fernsehsender, die deutschlandweit über den renommierten Conrad-Dietrich-Magirus-Preis berichten, bevor die Ehrenamtlichen ihren glanzvollen Erfolg gebührend feiern konnten. Und weil Rettungskräfte auf der ganzen Welt die gleiche Motivation teilen und sie kein größeres Glücksgefühl kennen, als ein Menschenleben gerettet zu haben, entstand zu fortgeschrittener Stunde, die Idee zu einem sozialen Engagement. Die Kräfte aus dem Nürnberger Land wollen ausrangierte Schutzkleidung und Ausrüstung in ihren Wehren zusammentragen und damit die „White Helmets“ in Syrien in ihrer so wichtigen humanitären Mission unterstützen. Der an diesem Abend verabschiedete Geschäftsführer von Magirus, Antonio Benedetti, der sich einer neuen beruflichen Herausforderung in Großbritannien stellen will, sagte dem Projekt seine volle Unterstützung zu und wird für den Transport des gesammelten Feuerwehrequipments aufkommen. Ein wahrhaft großartiges und würdiges Gewinnerteam, auf das das gesamte Nürnberger Land zurecht stolz sein darf.

Bericht: Feuerwehr Lauf, Fotos: Magirus & Feuerwehr Lauf

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