Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
Berichte aus dem Nürnberger Land

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Katastrophenschutzübung der Notfallstation Bayern 07.08.2010

NÜRNBERG - Am Samstag, den 17. Juli 2010 fand von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr in Berufbildungszentrum BBZ Nürnberg am Berliner Platz eine Katastrophenschutzübung zur Notfallstation Bayern statt.

In Bayern wurden für die Bewältigung von Katastrophen in Kernkraftwerken insgesamt 12 sogenannte Notfallstationen eingerichtet. Diese sollen nach Kernkraftwerksunfällen die strahlenexponierte Bevölkerung registrieren, auf Kontamination hin überprüfen, ggf. dekontaminieren, falls nötig, medizinisch Erstversorgen und einer weiteren Behandlung zuführen. Die Notfallstation Nr. 6 unter der Führung der BF Nürnberg ist dabei für allgemeine Katastrophenlagen im ABC-Bereich im Großraum Nürnberg zuständig und als zentrale bayernweite Reserve vorgesehen.

In der von der Feuerwehr Nürnberg (Sachgebiet Katastrophenschutz) organisierten Übung wirkten ca. 160 ehrenamtliche Helfer folgender Organisationen mit:

  • Berufsfeuerwehr Nürnberg und Einheiten der FF Nürnberg
  • Sondereinsatzgruppe "Umweltschutz" der Feuerwehr Nürnberg
  • Die ABC-Einheiten der Stadt Fürth und des Landkreises Nürnberger Land. Aus dem Landkreis Nürnberger Land waren die Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehren aus Altdorf, Hersbruck und Schwarzenbruck dabei.
  • Sanitätseinheit des BRK Nürnberg
  • Notfallseelsorger
  • Diverse Ärzte und Vertreter von Fachbehörden

Zusätzlich beteiligten sich noch bis zu 50 Personen der mitwirkenden Organisationen als Übungsdarsteller mit.

Als Schadenszenario wurde angenommen, dass es zu einem Störfall in einem Kernkraftwerk kam. Die Spezialkräfte führten Messaufgaben durch und versorgten die kontaminierten Personen.

Die Notfallstation gliedert sich in 18 Unterstationen.

Station 1: Verkehrsführung

Ankunft der "Verletzten". Die Einsatzkräfte sind bis zur Feststellung, dass keine Kontamination vorliegt, durch Schutzanzüge und Mundschutz geschützt ("Unreine Seite" der Notfallstation). Zur Betreuung stand bereits hier ein Notfallseelsorger zur Verfügung. Die Verletzten erhielten ein Merkblatt mit Informationen über das Schadensereignis und den Ablauf in der Notfallstation.

Die Einsatzkräfte mussten sich ständig auf neue Situationen einstellen. So trafen hier verletzte und unverletzte Personen oder Eltern mit Kinderwagen ein. Denkbar sind auch Situationen mit Haustieren, ausländischen Personen mit Verständigungsproblemen und auch kollabierende Menschen.

Station 2: Kontaminationsvorprüfstelle

Hier wurden alle Personen in einem Kurztest (ca. 1/2 Minute) auf Kontamination überprüft. Wurde eine Kontamination festgestellt, erhielt die Person eine rote Umhängemarke. Nichtkontaminierte Personen erhielten eine weiße Marke.

Station 3: Erste-Hilfe-Station (mit Kräften aus Nbg-Land)

Körperlich verletzte Personen wurden hier ärztlich versorgt, gesichtet und registriert. War ein Transport ins Krankenhaus erforderlich, wurden die Patienten an dieser Station vor dem Transport einem ausführlichen Kontaminationsnachweis unterzogen.

Station 4 Wartezone und Station 5 Kontaminations-Nachweisstelle:

Wurde keine Kontamination festgestellt, wurden die Personen über den Kurierdienst an die Station 14 weitergeleitet.

Station 6: Wertmarken und Station 7: Wertsachenabgabe (mit Kräften aus Nbg-Land)

Kontaminierte Personen erhielten hier einen Satz Wertmarken, da sie an den folgenden Stationen ihre Wertsachen und später auch ihre Kleidung abgeben müssen. Hier erfolgte die Wertsachenabgabe. Die Zuordnung zum Eigentümer war durch die Wertmarke gesichert. Kontaminierte Wertsachen wurden einer Grobreinigung unterzogen. Alle Wertsachen wurden mit dem Kurierdienst in Station 7c zur Station 13a - Wertsachenausgabe transportiert.

Station 8 - Bekleidungsabgabe und Station 9 - Warteraumraum vor Dusche (mit Kräften aus Nbg-Land)

Die Stationen 8 und 9 waren nach Geschlechtern zweifach parallel aufgebaut. Hier entkleideten sich die kontaminierten Personen. Die verletzten Patienten warteten die auf die Abpflasterung und die unverletzten auf die Dusche. Die Kleidung wurde in Kunststoffsäcke verpackt und im Ernstfall vernichtet.

Station 10 - Abpflasterungsraum

Hautwunden wurden in dieser Station von Kräften der Sanitätseinheiten wasserdicht abgedeckt.

Station 11: Dusche (mit Kräften aus Nbg-Land)

In Station 11 galt es beim Duschen darauf zu achten, dass in einer vorgegebenen Zeit von max. 6 Minuten der Körper von oben nach unten dreimal gereinigt wurde.

Station 12: Nachkontrolle (mit Kräften aus Nbg-Land)

Nach der Dusche wurde mit dem Kontaminationsnachweisgerät überprüft, ob noch Strahlung vorhanden war. Bei Kontamination ging es zurück in die Dusche.

Station 13: Bekleidungsausgabe und Wertsachenrückgabe (mit Kräften aus Nbg-Land)

Wurde in Station 12 keine Kontamination festgestellt, bekamen die Personen hier ihre Bekleidung zurück. Im Ernstfall erhalten sie hier neue Kleidung.

Mit Station 13 beginnt die "reine Seite" der Notfallstation, d. h. die Einsatzkräfte tragen keine Schutzkleidung mehr. Station 13 war räumlich zweigeteilt. Im zweiten Teil bekamen die Personen ihre von Station 7 weitergeleiteten Wertsachen zurück.

Station 14 - Warteraum zur Erfassung

In Station 14 warteten die dekontaminierten Patienten auf die Erfassung und Beurteilung. Die Einsatzkräfte stellten hier die Ordnung sicher.

Station 15 - Erfassung/Beurteilung:

Die Personen wurden hier nach ihrem genauen Aufenthaltsraum zum Zeitpunkt des Schadensereignisses befragt. Aus diesen Angaben wurde unter Zuhilfenahme von Rechenformeln die aufgenommene Dosis ermittelt.

Station 16: Strahlenschutzärztliche Beurteilung (mit Kräften aus Nbg-Land)

Die Personen wurden hier von Ärzten mit Strahlenschutzkenntnissen im Hinblick der in Station 15 ermittelten Dosis untersucht.

Station 17: Verteilung (mit Kräften aus Nbg-Land)

 

Diese Station koordinierte die Verteilung aller aus Station 16 kommenden Personen. Insbesondere organisierte sie den Transport ins Krankenhaus bei entsprechend beurteilten Personen.

Station 18: Information/Aufenthaltsregelung

Die Aufgabe dieser Station lag in der Beratung der die Notfallstation verlassenden Personen und die Zuweisung etwaiger Evakuierungsplätze.

Leitung der Notfallstation:

Die Kommunikation der Notfallstation wurde über den ELW 3 der BF Nürnberg abgewickelt. Das THW stellte erstmals eine kabelgebundene Telefonanlage zur Verfügung, mit der Kontakt zu jeder Station aufgenommen werden konnte.Diese Neuerung und hat sich gut bewährt.

Aus den Einsatzkräften der Feuerwehren des Nürnberger Lands war KBM Lothar Miederer Mitglied der Einsatzleitung.

Seelsorgerische Betreuung:

Sowohl im unreinen als auch im reinen Bereich der Notfallstation standen jeweils Notfallseelsorger zur Betreuung der Personen zu Verfügung. Besonders in den Staubereichen wird die Notwendigkeit der beruhigenden Betreuung erwartet. Aus den Kräften der Feuerwehren aus Nürnberg Land war Diakon und Feuerwehrseelsorger Herbert Dachs aus Schwarzenbruck eingesetzt.

Gäste und Beobachter:

Als Gäste und Beobachter waren Mitarbeiter der Regierung von Mittelfranken, der Kreisverwaltungsbehörden, sowie weitere Fachkräfte anderer Berufsfeuerwehren und Pressevertreter geladen. Herr Hans-Peter Reißmann von der BF Nürnberg begrüßte sie und erläuterte die Hintergründe der Notfallstationen und dieser Übung. Anschließend wurden den Gästen die Stationen bei einem Rundgang ausführlich erklärt und Fragen beantwortet.

Verpflegung:

Für Verpflegung der Betroffenen und der Einsatzkräfte war wieder bestens gesorgt. Das Frühstück bereitete die FF Werderau der Stadt Nürnberg und das Mittagessen das BRK Nürnberg Stadt.

Abschlussbesprechung:

Herr Lauber von der BF Nürnberg bewertete den Ablauf der Übung insgesamt als gut und bedankte sich bei allen Teilnehmern und den Verletztendarstellern. Nach einer ausführlichen Auswertung und Nachbesprechung werden mögliche Potenziale zu Verbesserungen identifiziert und umgesetzt. Anschließend zogen auch Vertreter der Regierung von Mittelfranken und des BRK ein positives Resümee und bedankten sich für die Teilnahme.

Herr Michael Münchow von der Reg. v. Mittelfranken

Bericht und Fotos: FF Schwarzenbruck

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