Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Vermisstensuche entwickelte sich zu Großeinsatz 20.06.2008

NEUHAUS (DB1) – Zu einer Vermisstensuche wurden die Kräfte der Feuerwehr Neuhaus a.d. Pegnitz am Sonntag, den 14.06.2008 gerufen, welche sich im Laufe zu einem der personalintensivsten Einsätze in der Geschichte der Feuerwehr Neuhaus entwickelte.

Zu diesem Großeinsatz wurden Feuerwehren, Wasser- und Bergwachten und Rettungshundestaffeln aus Mittelfranken und der benachbarten Oberpfalz gerufen: Rund 220 Kräfte suchten fieberhaft nach einer 23-Jährigen, die per SMS an ihren Ex-Freund ihren Freitod angekündigt hatte. In dieser Kurznachricht gab sie an, sich bei Neuhaus vor den Zug werfen zu wollen. Diese SMS kam bereits gegen 10.30 Uhr an. Der Ex-Freund lebt in Neuhaus, die 23-Jährige stammt aus dem Landkreis Roth. Sofort nach dem Eingang der Kurznachricht auf dem Handy des Neuhausers wurde durch diesen die Polizei alarmiert.

Diese begann umgehend mit der Suche nach der Vermissten. In der Ersten Stunde des Einsatzes waren je eine Streife der Inspektionen Hersbruck und Auerbach, sowie ein Polizeihubschrauber und ein Hundeführer im Einsatz. Gegen 12 Uhr entschieden sich die Einsatzkräfte der Polizei nach etwa einstündiger erfolgloser Suche, die örtlichen Feuerwehren zu Hilfe zu holen.

Daraufhin wurde durch die Leitstelle Nürnberg zuerst die Wehr aus Neuhaus a.d. Pegnitz und anschließend die Wehren aus Höfen und Krottensee nachalarmiert und zum Treffpunkt zum Gerätehaus Neuhaus bestellt. Die Feuerwehr Mosenberg blieb „verschont“, dort liefen gleichzeitig die letzten Vorbereitungen für den großen Festzug zum 75-jährigen Jubiläum.

Die groß angelegte Suche begann unmittelbar nach der Alarmierung unter der Einsatzleitung von  Kommandant Markus Gnan und Kreisbrandinspektor Norbert Thiel.

 

Die Polizeibeamten informierten die Einsatzkräfte der Feuerwehren darüber, dass der  PKW der Vermissten in Hammerschrott unweit der Gleisanlagen der Bahnstrecke Nürnberg-Schirnding durch die Polizei bereits kurz nach Einsatzbeginn gefunden worden sei.  Da bereits gegen 10.45 Uhr erste Meldungen bei der Polizei eingegangen waren, wonach die Vermisste 23-Jährige an der Staatsstraße nahe der Einmündung bei Ranna gesehen wurde und um 11.15 Uhr weitere Hinweise die Polizeibeamten erreichte, dass die Frau an der Magdalenenkapelle nahe Ranna gesichtet worden sein soll, wurde die Suche mit den Feuerwehrkräften ab 12.10 Uhr - also unmittelbar nach der Alarmierung der Feuerwehr Neuhaus - im Gebiet um Hammerschrott, Lehnershof  und Ranna fortgesetzt. Es wurde der Bahnkörper über mehrere Kilometer sowie die direkt nebenher verlaufende Pegnitz abgesucht. Hierzu wurde über die Einsatzzentrale der Polizei in Nürnberg die Deutsche Bahn aufgefordert, ihre Züge zwischen Neuhaus und Bahnkilometer 59 Schritt fahren zu lassen.

Da sich abzeichnete, dass sich das Suchgebiet auch auf die Oberpfalz ausweiten würde, entschloss die Einsatzleitung frühzeitig, die Feuerwehr Auerbach hinzuzualarmieren. Der ebenfalls mitalarmierte Kreisbrandinspektor des Landkreises Amberg-Sulzbach Peter Deiml, koordinierte die Kräfte der Wehren aus Auerbach und später auch die noch zusätzlich alarmierten Wehren aus Ranna und Michelfeld ebenfalls von der Einsatzleitung am Neuhauser Gerätehaus aus. Hierbei unterstützte ihn der für dieses Gebiet zuständige KBM Platzer.

 

Mittlerweile war im Gerätehaus Neuhaus ein Steckbrief der Vermissten erstellt, kopiert und unter den Suchtrupps verteilt worden, der neben einem Bild der Vermissten weitere Details zu Aussehen und Kleidung enthielt. Ebenfalls wurde ein kleiner Kommunikationsplan mit wichtigen Handy-Nummern der Einsatzleitung mit abgedruckt.

Eine erste durch die Polizei veranlasste Funkpeilung des Handys der vermissten Frau brachte erste Erkenntnisse über das Suchgebiet, so dass der Polizeihubschrauber immer wieder diesen Bereich überflog. Zeitweise landete die Hubschrauberbesatzung direkt bei der Einsatzleitung, um weitere Schritte und Suchgebiete persönlich neu abzusprechen und abzustecken, auch hier wurde der kürzeste direkte Weg gewählt.

Direkt am Neuhauser Gerätehaus wurde zwischenzeitlich für die anrückenden Kräfte von Wasserwacht, Bergwacht sowie der Rettungshundestaffeln ein Bereitstellungsraum eingerichtet. In der Fahrzeughalle wurden Tische und Bänke sowie Getränke bereitgestellt.

Die Bereitschaften der Wasserwachten durchsuchten dann von Michelfeld bis Hammerschrott mit Booten nochmals intensiv die Pegnitz ab, Feuerwehrkräfte aus Höfen kontrollierten sämtliche Wehr- und Stauanlagen flussabwärts bis Engenthal. Gleichzeitig begannen die verschiedenen Rettungshundestaffeln mit der Flächensuche. Dazu stellte die Neuhauser Feuerwehr einen Zugang in den PKW der Vermissten her, wo von dort aus die speziell ausgebildeten Hunde (Mantrailer) die Suche beginnen konnten, da ihnen nun Geruchsproben der Vermissten aus Ihrem PKW zur Verfügung standen.

Eine Großbaustelle am Neuhauser Ortsrand wurde ebenfalls mehrmals durchsucht.

Alles ohne Erfolg.

 

Nach ca. 2,5 Stunden wendete sich dann das Blatt für die Einsatzkräfte: Wanderern war gegen 14.30 Uhr eine junge Frau in einem der Suchgebiete im Bereich der Vogelherdgrotte bei Krottensee aufgefallen. Die Beschreibung passte zu der Vermissten. Ebenso deckten sich diese Zeugenaussagen mit einer erneuten Funkpeilung der Polizei, so dass freie Kräfte von Feuerwehr und Bergwacht sich sofort aufmachten um in Zusammenarbeit mit der Polizei dieses Gebiet genau abzusuchen, wieder unterstützte der mittlerweile wieder in Neuhaus gestartete Polizeihubschrauber aus der Luft.

Gegen 15.15 Uhr konnte die Vermisste dann endlich von den Kräften der Bergwacht aufgegriffen werden. Körperlich in guter Verfassung, psychisch jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Nach Übergabe an den Rettungsdienst wurde die Frau umgehend in eine Fachklinik nach Engelthal verbracht.

Im Anschluss an die Suchaktion kamen fast alle beteiligten Kräfte nochmals am Neuhauser Gerätehaus zu einer Schlussbesprechung - geleitet durch die Polizei Hersbruck - zusammen.

Sehr gut erwies sich die Zusammenarbeit aller beteiligten Hilfsorganisationen bestehend aus Polizei, Gemeindeverwaltung, Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergwacht und Wasserwacht. Grund hierfür war sicherlich die Tatsache, dass jede Hilfsorganisation mindestens einen Ansprechpartner oder den jeweiligen eigenen „Einsatzleiter“ für die Einsatzleitung an einem zentralen Ort abstellte.  Die Einsatzleitung hatte somit von Anfang an einen entsprechenden Überblick über Kräfteanzahl, -Ausstattung und -Status und konnte direkt auf alle Einheiten zugreifen. Die Einsatzleitung befand sich im MZF der FF Neuhaus, Besprechungen der einzelnen Organisationen untereinander und miteinander fanden im Schulungsraum des Gerätehauses statt, welcher im Laufe des Einsatzes mit Laptop und Beamer zur Lagedarstellung ausgestattet wurde.

Eingesetzte Kräfte:

KBR Pawelke, KBI Thiel
KBI Deiml, KBM Platzer (LKr. Amberg-Sulzbach)
FF Neuhaus a.d. Pegnitz mit 44/11/1, 44/48/1, 44/21/1, 44/59/1, 44/62/1
FF Höfen mit 45/44/1
FF Krottensee mit 46/44/1
FF Auerbach mit MZF, LF 24, GW-N
FF Ranna mit TSF
FF Michelfeld mit MZF, LF 8
ASB Jura mit RTW Sama 5406 und HvO-Neuhaus  (Helfer vor Ort)
Bergwacht Lauf
Bergwacht Nürnberg
Bergwacht Einsatzleiter
Wasserwachten aus Auerbach, Hersbruck, Feucht und Röthenbach.
Rettungshundestaffeln des BRK Lauf,
des ASB Lauf,
des ASB Jura,
des ASB Erlangen-Höchstadt
private DRV-Franken-Oberpfalz aus Neumarkt
Einsatzleiter Rettungshunde
Polizeiinspektionen Hersbruck und Auerbach, Polizeihubschrauber „Edelweiß 1“ aus Roth, sowie ein Hundeführer
Forstbehörde
Notfallmanager der DB AG

Fotos: Michael Grüner, Nordbayerische Nachrichten
Bericht:
FF Neuhaus / Nordbayerische Nachrichten

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