Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Weiterbildung - nicht nur am Standort oder auf der Feuerwehrschule
06.07.2004

LAUF/LEEZEN - Zwei Kameraden der Feuerwehr Lauf nahmen vom 07.05. bis 09.05. an einer Wochenendweiterbildung für Feuerwehrdienstleistende in Leezen, Mecklenburg-Vorpommern nahe Schwerin mit weiteren 28 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet teil.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Amtswehrführung Amt Ostufer Schweriner See und Mitgliedern eines Internet-Forum interessierter Feuerwehrangehöriger aus mittlerweile ganz Europa, die sich mehrmals im Jahr treffen, um Erfahrungen und Neuerungen rund um die Feuerwehr auszutauschen.

Die Hauptthemen bei diesem Treffen waren:

- patientenorientierte technische Rettung
- Verkehrsunfall mit einem Massenanfall Verletzter
- Techniken zur Rettung verunfallter Atemschutzgeräteträger
- Suchtechniken unter Atemschutz bei Null-Sicht
- Frühdefibrillation mit einem halbautomatischen externen Defibrillator (AED)

Bereits am Freitagabend reisten die beiden Kameraden aus Lauf über Ansbach, wo noch ein Kamerad aus Baden Württemberg in den Kleinbus zustieg, nach Frankfurt am Main. Auf der Feuerwache 4 wurde von Markus Groß, Leiter der Abteilung Ausbildung der BF Frankfurt und ebenfalls Mitglied des Feuerwehr-Forums, eine Übernachtungsgelegenheit organisiert. Nach einer Führung durch die Wache und einer kurzen aber interessanten Diskussion noch zu später Stunde konnte man dann auch einmal miterleben, wie auf einer Berufsfeuerwehrwache ein Alarm aufläuft und der Löschzug zu seinem Einsatz ausrückt. Bereits um fünf Uhr am ging es am Samstag Früh aber schon wieder weiter. Auf dem Weg durch Hessen stiegen nochmals drei Kameraden zu. Als dann gegen Mittag das Ziel Leezen in der Nähe von Schwerin erreicht war, ging es erst mal ans Anmelden und Quartierbeziehen. Für alle 28 Teilnehmer stand ein Mannschaftszelt gleich neben dem Feuerwehrhaus in Leezen bereit.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen begann die Ausbildung. Michael Bleck, Kommandant der Feuerwehr Alzenau-Michelbach und Hauptorganisator der Veranstaltung seitens des Feuerwehr-Forums, referierte über die Einsatzgrundsätze bei einem Verkehrsunfall mit einem Massenanfall von Verletzten. Er präsentierte anhand einiger Beispiele Verhaltensregeln, die sich bei solchen Großschadenslagen bereits bewährt hatten. Die Schwierigkeit für die ersteintreffenden Einsatzkräfte besteht darin, noch vor der Technischen Rettung eine möglichst schnelle und präzise Lagemeldung für die Alarmierung weiterer Kräfte zu geben und die Einsatzstelle räumlich so zu ordnen, dass eine koordinierte An- und Abfahrt der nachfolgenden Fahrzeuge und Einheiten möglich ist. Erst dann kann eine technische Rettung beginnen. Nur so ist gewährleistet, dass alle weiteren Einsatzmaßnahmen koordiniert und zügig ablaufen.

 
     
 

Nach der Theorie ging es für alle an die Praxis. Zuerst wurden für alle an der Übung Beteiligten und auch für interessierte Zuschauer aus der Bevölkerung die Grundsätze der patientenorientierten technischen Rettung an einem Verkehrsunfall mit zwei eingeklemmten Verletzten von Feuerwehrkameraden der Gemeinde Leezen demonstriert.

Im Anschluss begann dann die eigentliche Übung, an der neben den Teilnehmern auch drei Wehren aus dem Amt Ostufer Schweriner See, FF Leezen, FF Cambs und FF Raben Steinfeld teilnahmen.

Angenommen wurde ein Verkehrsunfall mit drei PKW und 14 verletzten Personen, die teilweise eingeklemmt waren. Die Verletztendarsteller, Jugendliche aus Leezen, waren realistisch geschminkt und stellten verschiedene Verletzungen dar. Vom Schock bis zum Polytrauma war ein umfangreiches Spektrum an Verletzungsmustern geboten. Zusätzlich erlitt während der Übung ein Feuerwehrdienstleistender einen übungsmäßigen Kreislaufzusammenbruch. Eine nicht alltägliche technische Rettung war bei zwei der PKW erforderlich, die auf dem Dach bzw. auf der Seite lagen.

Die übende Mannschaft war gemischt aus Forums-Mitgliedern und Kräften der örtlichen Wehr. Schnell zeigte sich, dass die 28 Teilnehmer und die Ortswehr für einen solchen Einsatz zu wenig Kräfte waren, aus diesem Grund wurden noch zwei weitere Feuerwehren aus dem Gemeindegebiet von Leezen hinzugezogen. So wurde nach Vorgabe der Einsatzleitung nachalarmiert, die Fahrzeuge aus dem Bereitstellungsraum angefordert und schließlich die Verletzten auf unterschiedlichste Weise gerettet. Manche waren noch gehfähig, manche waren kompliziert eingeklemmt und mussten mit aufwendigen technischen Maßnahmen befreit werden, bei einem Opfer mit Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgte eine so genannte Crash-Rettung, eine schnelle Befreiung, um unverzüglich eine Wiederbelebung zu beginnen.

Nach Ende der Übung standen die Unfallfahrzeuge noch zur Verfügung, um verschiedene Öffnungs- und Schnitt-Techniken an PKW`s zu üben. Die Übungsteilnehmer aus verschiedenen Feuerwehren brachten dabei ihre unterschiedlichen Erfahrungen im Rahmen der Technischen Hilfeleistung ein. Somit war dieser Teil für alle lehrreich, da hier Techniken nicht nur diskutiert wurden sondern „live“ ausprobiert werden konnten.

Nach dem Abendessen gab Peter Ihlenfeld von der FF Waldbrunn, Vertriebsingenieur bei Dräger-Safety, noch einen kleinen Rückblick auf das letzte Forumstreffen beim „Tag für das Leben“, einem Atemschutz-Workshop der Dräger-Safety. Danach lies man den Abend noch gemütlich ausklingen mit Musik, Gesang und interessanten Diskussionen, nicht nur zum Thema Feuerwehr.

Am Sonntag nach dem Frühstück referierte Peter Ihlenfeld über das Thema „Realistischer Üben“ bei Atemschutzübungen. Er zeigte den Anwesenden auf, dass Atemschutzübungsstrecken in denen alle Atemschutzgeräteträger eine jährliche Belastungsübung durchführen müssen, auch für die Übung realistischer Situationen gestaltet und genutzt werden können.

Weiterhin stellte er auch zwei Möglichkeiten der Heißausbildung vor. Gasbefeuerte Übungscontainer geben den Feuerwehrangehörigen die Möglichkeit, annähernd unter Realbedingungen mit Hitze, Wasserdampf und eingeschränkter Sicht Einsatzsituationen zu üben. Mit dem holzbefeuerten Flashover-Container lernen die Atemschutzgeräteträger, die Gefährlichkeit des Brandrauchs zu erkennen und sich vor Rauchdurchzündungen zu schützen, die immer häufiger bei Gebäudebränden auftreten.

 

Nach dem Vortrag folgten Workshops in drei Gruppen. Beim Atemschutzgeräteträger – Notfalltraining musste ein verunfallter Atemschutzgeräteträger (AGT) gerettet werden. Hier zeigte sich sehr schnell, dass ein sicheres und schnelles Retten eines verunfallten AGT ohne geeignete Mittel nicht möglich ist. Der Einsatz der von den Feuerwehren mitgeführten Krankentragen oder Rettungstücher stellt kein geeignetes Mittel zur Rettung eines bewusstlosen oder nicht mehr gehfähigen AGT dar. Ein Erfolg bei der Rettungsübung erreichte man erst mit einer speziell zur Rettung verunfallter AGT konzipierten Klappschleifwanne, die sowohl in der Ebene als auch beim Retten über eine Treppe Möglichkeiten zeigte, die mit keinem anderen Rettungsmittel erreicht wurden, sowohl im Handling als auch im harten Einsatz.

 

Ein weiterer Workshop war Bewegungs- und Suchtechniken unter Null-Sichtbedingungen. Der Seitenkriechgang bietet beim Atemschutzeinsatz die Möglichkeit, bei einer Rauchgasdurchzündung schnell und richtig zu reagieren und einem Absturz in unbekannten Räumen vorzubeugen. Auch das Absuchen von Räumen nach vermissten Personen mittels Bandschlinge und Feuerwehraxt wurde geübt, wobei man feststellen konnte, dass hier ein Atemschutztrupp doch einen großen Raum in sehr kurzer Zeit vollflächig absuchen kann.

Als drittes Thema wurde dann ein AED / CPR – Training für die Eigensicherung im Feuerwehrdienst angeboten. Hier konnten die Teilnehmer an einer Übungspuppe das Gerät zur Frühdefibrillation testen, wobei sich sehr schnell zeigte das ein Arbeiten mit einem solchen Gerät von jedem Laien durchgeführt werden kann, da das Gerät mit Sprachanweisungen den Ablauf der Reanimation vorgibt.

Gegen 16:00 Uhr waren die Workshops beendet und die Rückreise wurde angetreten. Auf der Fahrt konnte das Erlebte und Erfahrene nochmals mit den 5 Kameraden aus Hessen, Württemberg und Unterfranken diskutiert werden, die wie schon auf dem Hinweg mit im Kleinbus unterwegs waren.

Für alle Teilnehmer war dieses Weiterbildungswochenende sicherlich ein bleibender Eindruck.

Bericht und Fotos: Armin Steinbauer, Feuerwehr Lauf

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