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100 Tage First Responder in Burgthann 08.05.2004

BURGTHANN (DB3) - Einhundert Tage "First Responder" sind durchaus eine willkommene Gelegenheit, Bilanz über eine beispielhafte Leistung zu ziehen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist diese hilfreiche Gemeinschaft von Lebensrettern rund um die Uhr in Schichtform im Einsatz, um mit ihrer Notfallausrüstung noch schneller bei Verunglückten oder Patienten qualifizierte medizinische Erste Hilfe leisten zu können.

Vorab jedoch ein kurzer Rückblick: Ende Mai vergangenen Jahres zeigte die Freiwillige Feuerwehr beim "Tag der offenen Tür" anhand eines fiktiven Unfalls, wie ein im Gemeindegebiet stationierter "First-Responder" an einer Unfallstelle oder bei einem Hilfsbedürftigen die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungswagens oder Notarztes überbrücken kann. Die Palette der vom First Responder eingeleiteten Sofortmaßnahmen reicht von einer Erstversorgung der Verletzten bis hin zum Einsatz eines Defibrillators in lebensbedrohlicher Situation. Damit diese ehrenamtliche Tätigkeit der bestens ausgebildeten Sanitätshelfer, die keineswegs im Wettbewerb, vielmehr als Ergänzung zu den Rettungsdiensten agieren, auch finanziell standhält, konstituierte sich Mitte Juli letzten Jahres ein Förderverein.
Seit Jahresbeginn wird bei jedem Notfall, welcher der Leitstelle gemeldet wird, neben dem Rettungswagen und gegebenenfalls dem Notarzt, auch der First Responder von der Leitstelle alarmiert. Bis zum heutigen Tag war das für den First Responder annähernd neunzig Mal der Fall. Die bisherige Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten klappte dabei von Beginn an problemlos. Bei den Einsätzen handelte es sich sowohl um Verkehrsunfälle (sieben Prozent), Internistische Notfälle (66 Prozent), chirurgische Notfälle (16 Prozent) als auch um sonstige Notfälle (elf Prozent). Am häufigsten gerufen wurde der First Responder in den ersten Nachtstunden zwischen 18 und 20 Uhr, sowie morgens zwischen sechs und acht Uhr, beziehungsweise mittags zwischen zwölf und 14 Uhr.
Die Einsatzorte lagen durchaus nicht immer nur im Gemeindegebiet, auch außerhalb von Burgthann leisteten die aktiven Ersthelfer Rettungseinsätze. Rechnet man die Einsätze seit Jahresbeginn der etwa 20 beim First Responder Tätigen zusammen, summiert sich die investierte Zeit auf stolze viertausend Stunden. Aufgeteilt auf die einzelnen Aktiven kommen da leicht 160 Stunden und mehr im Monat zusammen. Diese Tatsache verlangt Besserung, so durch Beitritt weiterer Ersthelfer. Denn noch ist die Motivation des harten Kerns der Truppe ungemein hoch.
Um zusätzliche First Responder - aus allen Bevölkerungsschichten - für dieses Ehrenamt zu gewinnen, startet der Förderverein bereits im kommenden Mai einen Erste-Hilfe-Kurs. Diesem Kurs sollte eine Ausbildung zum Sanitäter folgen, der dann eine selbständige Hilfeleistung als First Responder erlaubt. Da es sich dabei um eine freiwillige Feuerwehraufgabe handelt, ist die Vollendung des 18. Lebensjahres Voraussetzung.
Wiewohl in den ersten einhundert Tagen auch eine erfolgreiche Reanimation erwirkt werden konnte, berührt es die First Responder doch im Nachhinein enorm, wenn trotz aller Anstrengungen durch Herz-Lungen-Wiederbelebung jede Hilfe zu spät kommt. Entscheidende Sekunden verrinnen ferner, wenn fehlende Hausnummern Rätsel bei der Ortsfindung aufgeben. Denn auch der Einsatz des Defibrillators macht nur dann Sinn, wenn dieses mehr als nur eine "Null-Linie" anzeigt. Das dabei Erlebte lässt sich am besten noch in den regelmäßigen Gruppengesprächen verarbeiten.
Freuen würden sich die Helfer vor Ort auch über ein "Danke schön". Denn der ehrenamtliche Einsatz kostet sie nicht nur ihre Freizeit, sondern verursacht auch Kosten, welche über Spenden oder Mitgliedsbeiträge ausgeglichen werden müssen. So ist beispielsweise das Paar "Einmal-Defibrillator-Paddles" erst ab 40 Euro zu bekommen.
Pech hatten die First Responder leider mit dem aus Spendengeldern angeschafften, von der Gemeinde in Dienst gestellten und in Eigenregie umgebauten Einsatzfahrzeug. Seit Januar bewältigte es etwa zweieinhalbtausend Kilometer, und die zum Teil unter extremer Beanspruchung. Da bleibt Verschleiß nicht aus. So musste sein Motor wegen Lagerschadens bereits ausgetauscht werden, was zu unvorhergesehenen Kosten und zu einer Ausfallzeit von einer Woche führte. Denn das Urteil der Leitstelle zur Einsatzgeschwindigkeit macht die First Responder stolz: "Wenn der First Responder kommt, kommt er sehr schnell".
Höhere Ausfallsicherheit wäre alle Mal mit einem zweiten Notfallfahrzeug gegeben, doch darüber befindet allein der Gemeinderat. Mit ein paar Kilowatt mehr an Leistung und einer Motorvorwärmung könnten sowohl Motorschäden und Zeitverlust vermieden werden, aber auch das Abholen des Beifahrers würde entfallen, da sich beide First Responder unmittelbar beim Verunglückten oder Patienten träfen. Die zusätzlichen Kosten für eine Notfallausrüstung fielen nicht noch einmal in vollem Umfang an. Doch dafür bedarf es weiterer Spenden und Vereinsbeitritte. Ein Bedarf dafür ist vorhanden, wie die unerwartet hohe Inanspruchnahme des First Responder beweist.

Bericht und Foto: Werner Martin

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