Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Feuerwehr Neuhaus übt in Rauchdurchzündungsanlage
01.03.2004

Neuhaus/Pegnitz (DB1) - Am 21. und 22. Februar absolvierten 10 Feuerwehrmänner der FF Neuhaus und der FF Höfen eine Realbrandausbildung in einer holzbefeuerten Rauchdurchzündungsanlage (RDA) in Böblingen bei Stuttgart.

Nachdem Kdt. Markus Gnan den Kontakt zu den Kameraden im Badischen hergestellt hatte, lud er die „fleißigsten“ Geräteträger des letzten Jahres zu dieser fortführenden Ausbildung nach Böblingen ein. Als kleines Dankeschön lud er auch den fleißigsten Jugendfeuerwehrler des Vorjahres zum Beobachten der Ausbildung ebenfalls zu dieser Fahrt mit ein. Am 21.02.2004 war es dann soweit. Nach der Ankunft in der Feuerwache Böblingen und einer kurzen Begrüßungsrunde schloss sich eine Theorie-Schulung zum Thema „Flashover“ in der Feuerwache an. Aufgrund der Tatsache, daß die FF Neuhaus bereits mehrmals Unterrichte zu diesem Thema durchgeführt und zweimal Ausbildungen in gasbefeuerten Anlagen ermöglicht hatte, kamen Ausbilder und Auszubildende gut voran.

Nach einem gemeinsamen Abendessen mit den Ausbildern bei dem so einige Tipps und Informationen von den „Profis“ über die Tische gewandert waren, ging es dann am Sonntag früh zur Rauchdurchzündungsanlage auf einem Gelände der Bereitschaftspolizei.

Der Praxisteil begann erst einmal mit dem Thema „Strahlrohrführung mit Hohlstrahlrohren“. Nach einer kurzen Einweisung erlernten die Teilnehmer das Vorgehen mit dem sog. „Seitenkriechgang“. Ebenso wurde die Durchführung des Temperaturchecks und das Blocken einer Durchzündung vorgeführt, erklärt und dann von den Teilnehmern unter Anleitung angewandt. Beim Strahlrohrtraining unter voller Ausrüstung wurde die körperliche Belastung deutlich spürbar. Als Vorstufe zur eigentlichen Ausbildung in der Anlage trainierte jeder Teilnehmer diese Handhabung eines Hohlstrahlrohres im Freien.

 

Seitenkriechgang- und Strahlrohrausbildung im Hof...

 

Die Anlage während einer Durchzündung von Außen...

Im Anschluss daran wurden verschiedene Einstellungen am Strahlrohr unter Stress trainiert. Zum Abschluss mussten alle Handgriffe auch mit verbundenen Augen sicher umgesetzt werden, da in der Rauchdurchzündungsanlage dann die Strahlrohrtechniken 100%ig umgesetzt werden mussten. Die Zusammenarbeit im Trupp entschied über Erfolg oder Misserfolg.

Nach einer ersten Hitzegewöhnung im Container wurde allen Teilnehmern anhand einer „Flashover-Box“ der Brandverlauf mit anschließender Rauchdurchzündung noch einmal „im kleinen“ veranschaulicht. Im Anschluss daran ging es dann endlich zur Ausbildung in die Anlage. Dort wurden den Teilnehmern dann alle Phasen eines Brandes vorgeführt. Jeder konnte den Brandverlauf beobachten. Die Grenzen seiner Schutzkleidung konnte jeder Teilnehmer für sich selbst erfahren und gleichzeitig konnten Temperatur- und Rauchschichten wie auch entstehende Flammenzungen beobachtet bzw. erfühlt werden - all diese Dinge sind bei bisherigen Ausbildungen nicht möglich gewesen!

Dadurch lernten die Teilnehmer Anzeichen für eine Rauchdurchzündung zu erkennen, diese Informationen richtig einzuschätzen und Ihr Handeln danach anzupassen.

Auch der „Flashover-Reflex“ wurde vorher im Hof trainiert....

Nach dem alle Teilnehmer ihre ersten Erfahrungen in der Anlage gemacht hatten wurde die eigentliche Flashover-Bekämpfung vorgeführt. Jeder Teilnehmer musste diesen Teil als Abschlussübung selbst mit seinem Truppkollegen durchführen. Mit dem vorhergehenden Strahlrohrtraining, bei der auch die Vorgehensweise, Türöffnungsprozedur, Sprühimpulslöschverfahren und der Temperaturcheck vermittelt wurden, mussten die Teilnehmer zum Abschluss des Tages das Erlernte zur Anwendung bringen. Truppweise wurde dann durch die RDA vorgegangen. Die Ausführung des “Flashover-Reflexes”, bei dem die Teilnehmer eine Rauchdurchzündung blocken bzw. kontrollieren mussten, war genauso Bestandteil dieses Durchgangs wie die Durchführung einer Notentrauchung aus einem Fenster der Anlage mit einem Hohlstrahlrohr (sog. Hydraulische Ventilation) und der vorangehenden richtigen Türöffnung mit Temperaturcheck und Rauchgaskühlung.

Zwei Ausbilder waren in der Anlage immer in unmittelbarer Nähe der übenden Trupps, jeder hatte auch ein Strahlrohr zur Absicherung der übenden Trupps dabei. Ein dritter Ausbilder stand vor der Anlage mit PA zum Eingreifen bei einer evtl. Notsituation bereit. Die Sicherheit der Teilnehmer stand immer im Vordergrund und Sicherheitsmaßnahmen nahmen einen großen Teil der Ausbildung in Anspruch.
Nach Abschluss der Ausbildung erfolgte noch eine kurze Besprechung, in der alle wichtigen Punkte noch einmal der Reihe nach durchgesprochen und analysiert wurden.

In der Vergangenheit wurden immer wieder Feuerwehrleute bei Brandphänomenen wie Rauchdurchzündungen verletzt. Dies ist nicht grundsätzlich vermeidbar, jedoch mit gezielter Heissausbildung wäre so mancher Fall anders bzw. gar nicht geschehen. Wie soll ein Feuerwehrangehöriger (speziell bei einer kleinen FF auf dem Land mit sehr geringer Einsatzfrequenz) etwas bekämpfen und einschätzen, wenn er solche Situationen viel zu selten erlebt? Der Umgang mit Bränden in geschlossenen Räumen muss trainiert werden. Mit dieser Anlage konnte man dies 100%ig!

Bedanken möchten wir uns bei den Ausbildern Jürgen, Volker, Andreas und Luca von der Firma ERHA-TEC sowie ihren Helfern von der FF Böblingen, die uns ein hervorragendes und vor allem lehrreiches Trainingsprogramm vermittelt haben.

Weitere Infos zur Ausbildung bzw. zum Wochenende bekommen interessierte vom Kdt. der FF Neuhaus, Markus Gnan.

Bericht: Feuerwehr Neuhaus
Fotos:
Feuerwehr Neuhaus / Jürgen Mayer, www.FEUERWEHR.de

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